Make Your School wird seit Projektbeginn wissenschaftlich begleitet. Seit 2024 untersucht ein Team der Leibniz Universität Hannover das Format. Vorläufige Ergebnisse zeigen: Durch Hackdays verbessert sich das Zutrauen der Schüler*innen in die eigenen Problemlösefähigkeiten. Dr. Hannah Greving erklärt, mit welchen Zugängen sie und ihr Team das Format erfassen und was sich aus den bisherigen Daten ablesen lässt.
Liebe Hannah, gerade ist ein Sammelband zum außerschulischen Lernen in der naturwissenschaftlichen Bildung erschienen, der auch Einblicke in die Begleitforschung von Make Your School gibt. Was interessiert dich besonders an den Hackdays?
Hannah: Uns interessiert vor allem, was die Hackdays mit den Schüler*innen machen, sozusagen im Kopf. Wir alle haben ein sogenanntes Selbstkonzept von uns selbst. Das ist eine Art Wahrnehmung und Bewertung des eigenen Selbst, auch der eigenen Überzeugungen. Das heißt: Wie sehe ich mich selbst, wie finde ich mich und was halte ich für wahr. Unsere Annahme ist, dass die Hackdays dieses Selbstkonzept verändern, vielleicht insbesondere bei Mädchen, aber auch insgesamt bei allen Schüler*innen.
Ein wesentlicher Teil davon ist die sogenannte Selbstwirksamkeitserwartung, also das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, gerade in neuen oder ungewohnten Situationen. Und genau solche Situationen erleben die Schüler*innen bei den Hackdays. Denn dort durchlaufen sie einen kompletten Problemlöseprozess: Sie identifizieren ein Problem, fragen sich „Was könnte eine Lösung sein?“, entwickeln eine Idee und setzen sie praktisch um. Aus einem ersten vagen Phänomen wie „Es ist irgendwie immer so laut im Klassenraum“ wird so eine konkrete Lösung wie eine Lautstärke-Ampel für die Klasse.
Was steckt hinter dem technikbezogenen Selbstkonzept?
Hannah: Das technikbezogene Selbstkonzept ist ein Teil des akademischen Selbstkonzepts und damit des generellen Selbstkonzepts eines Menschen. Es lässt sich in drei zentrale Säulen unterteilen:
- Motivationale Säule: Hier geht es um das Interesse der Jugendlichen an digitaler Technik und die Frage: Warum beschäftigen sie sich eigentlich damit? Mit Motivation meinen wir nicht das alltagssprachliche „Ich bin heute nicht motiviert“, sondern eher die Gründe für das eigene Verhalten.
- Kognitive Säule: Hier schauen wir auf die Selbstwirksamkeitserwartung, also das Zutrauen der Schüler*innen in ihre eigenen Fähigkeiten, besonders in neuen oder ungewohnten Situationen. Außerdem untersuchen wir die Einstellungen zu Technik, das ist im schulischen Bereich auch eine relevante Variable.
- Konative Säule: Hier geht es um die bisherigen Erfahrungen mit Technik. Schüler*innen, die schon viel mit Technik gemacht hat, gehen vermutlich anders durch die Hackdays als solche mit wenig Vorerfahrung.
Klar, jedes dieser Konzepte ließe sich noch weiter aufschlüsseln. Wer mehr wissen möchte, findet im Buchkapitel mehr dazu und weitere Literaturhinweise.
Wie lässt sich das untersuchen, wie sieht deine Arbeit dabei konkret aus?
Hannah: Wir machen das eigentlich ganz klassisch: Wenn man etwas herausfinden möchte, fragt man am besten die betreffenden Personen. Wir verwenden dafür ein sogenanntes Prä-Post-Design.
In der Prä-Phase, also ganz am Anfang der Hackdays füllen die Schüler*innen den ersten Fragebogen aus. Am Ende nach der Abschlusspräsentation folgt dann der Post-Fragebogen. Die allermeisten Variablen sind in beiden Erhebungen identisch. Nur so können wir vergleichen, ob sich etwa Motivation oder Einstellungen verändert haben.
Zusätzlich erheben wir in der Mitte mit den Knobelaufgaben, wie die Schüler*innen mit den Materialkarten von Make Your School umgehen können, um ein Gefühl für ihr technisches Verständnis zu bekommen. Die Materialkarten helfen dabei, technische Komponenten logisch zu kombinieren, ohne dass man genau wissen muss, wie man die Technik konkret zusammensetzen muss.
Wie lässt sich ein Format wie die Hackdays wissenschaftlich einordnen?
Hannah: Was die Schüler*innen bei den Hackdays machen, ist „Versuch und Irrtum“. Sie probieren etwas aus und merken: „Geht doch nicht!“ und versuchen dann etwas anderes. Ihnen wird nicht einfach etwas beigebracht, sondern sie tüfteln selbst. Das ist im Grunde konstruktivistisches Lernen. Die Schüler*innen eignen sich wie in einer Werkstatt alles selbst an und integrieren das neue Wissen durch ihre eigenen Erfahrungen beim Tüfteln und Hacken in ihr bestehendes Wissen.
Was theoretisch auch wichtig ist: Make Your School ist ein außerschulisches Lernangebot. Es ist nicht an den Lehrplan gebunden, sondern liegt außerhalb der schulischen Vorgaben. Und was die Schüler*innen dort machen, ist problembasiertes Lernen. Das ist ein fest etablierter Begriff in der Literatur. Ausgehend von einem konkreten Phänomen wie „Es ist zu laut im Klassenraum“ definieren die Schüler*innen ein Problem, entwickeln eine Lösung und bauen einen Prototyp.
Wenn wir dann noch eine Ebene tiefer gehen, arbeiten wir mit theoretischen Modellen, die ursprünglich aus der Erziehungswissenschaft kommen. Für unsere Forschung haben wir zwei theoretische Modelle miteinander verknüpft: sogenannte Angebot-Nutzungs-Modelle, die darstellen, wie Unterricht abläuft, und Logikmodelle aus der Evaluation von Programmen. Daraus ist ein Modell entstanden, das aus unserer Sicht die relevanten Komponenten der Hackdays abbildet und das wir in dem Buchkapitel vorstellen.
Das Einzige, was wir mit der Evaluation von Make Your School nicht untersuchen können, sind die Impacts im Langzeitbereich des Modells. Die liegen außerhalb unseres Forschungsrahmens.
Bis August 2026 konnten Daten von knapp 2.500 Schüler*innen ausgewertet werden1. Gibt es schon vorläufige Erkenntnisse, die du besonders spannend findest?
Hannah: Wenn ich mir die Vorher-Nachher-Vergleiche anschaue, können wir definitiv sagen: Ja, es gibt eine positive Entwicklung. Besonders bei der Selbstwirksamkeit sehen wir Veränderungen. Dafür haben wir das Konzept des „Computational Thinking“ herangezogen, bei dem es um algorithmisches und komplexes Denken, Problemlösen und Selbstwirksamkeit geht. In allen vier Bereichen verbessern sich die Werte und viele Schüler*innen haben nach den Hackdays das Gefühl: „Ich kann das wirklich. Es bringt mir etwas.”
Auch bei den Einstellungen zu Technik sehen wir eine positive Entwicklung. Das heißt viele Schüler*innen finden danach: „Digitale Technik ist toll, macht mir Spaß“. Überraschend ist, dass auch das Gefühl, das Umfeld interessiere sich stärker für Technik, zugenommen hat.
Wir haben uns außerdem angeschaut, ob bestimmte demografische Merkmale wie zum Beispiel Geschlecht und der Bildungshintergrund oder die bisherige Erfahrung mit Technik die beschriebenen zeitlichen Veränderungen beeinflussen.
Besonders spannend ist, dass Mädchen zum Beispiel deutlich stärker profitieren bei Aspekten wie „Technik macht mir Spaß“ als Jungen. Das gilt insbesondere auch für die Selbstwirksamkeitserwartung. Das finde ich ganz schön, weil es zeigt, dass gerade Mädchen, bei denen man aufgrund von Stereotypen – wir nennen das in der Psychologie „Stereotype Threat“, also Bedrohung durch das Stereotyp – erwarten würde, dass sie sich weniger zutrauen, hier sagen: „Ja, das geht, ich komme damit zurecht.“ Und das fand ich sehr ermutigend.
Ganz spannend fand ich auch, dass vor allem Schüler*innen mit weniger Erfahrung mit Technik stärker von den Hackdays profitieren, also mehr Zutrauen in ihre eigenen technischen Fähigkeiten haben und Technik toller finden, als Schüler*innen mit mehr Erfahrung mit Technik. Das heißt, dass die Hackdays besonders solchen Schüler*innen etwas bringen, die sich bisher noch nicht so viel mit Technik beschäftigt haben. Anders als erwartet, aber eigentlich ganz schön, haben wir für den Bildungshintergrund keinen Einfluss auf die zeitlichen Veränderungen gefunden. Das bedeutet, dass der Bildungshintergrund nicht entscheidet, wie viel die Schüler*innen aus den Hackdays mitnehmen.
Außerdem zeigt sich, dass je besser die Hackdays durchgeführt wurden, desto besser hat sich auch das technikbezogene Selbstkonzept der Schüler*innen entwickelt.
Was passiert am Ende mit den Forschungsdaten und Erkenntnissen?
Wir werden alles erst einmal sehr umfassend auswerten und auf dieser Basis wissenschaftliche Veröffentlichungen erstellen. So können wir die Fachgemeinschaft, also andere Wissenschaftler*innen, über die Ergebnisse informieren, die wir gewonnen haben.
Wir sind natürlich auch daran interessiert, mit Make Your School in einen wissenschaftlichen Dialog zu treten und gemeinsam zu überlegen: Wie können wir die Erkenntnisse in das Format bringen, wie können wir sie implementieren?
Zeigt sich zum Beispiel, dass bestimmte Gruppen unterschiedlich von den Hackdays profitieren, können wir das Format gezielt weiterentwickeln und noch besser auf ihre Bedürfnisse ausrichten.
Einen detaillierten Einblick in die Begleitforschung gibt es hier zum Nachlesen:
Greving, H., van den Bogaert, V., Weißschädel, A., Maier, L., & Bruckermann, T. (2026). Make Your School – Im Team technische Lösungen für die eigene Schule entwickeln. In: Wenzel, A. & Schmäing, T. (Hrsg.). Außerschulisches Lernen in der naturwissenschaftlichen Bildung – Eine multiperspektive Betrachtung. Springer Nature, Wiesbaden, Deutschland
1 Die Auswertungen sind vorläufig. Die Untersuchungen laufen und weitere Datenerhebungen, Prozessbeobachtungen und vertiefende Analysen sind geplant. So werden Robustheit, mögliche Wirkmechanismen und längerfristige Effekte besser geklärt. Endgültige Schlussfolgerungen und Publikationen folgen, sobald die Auswertungen komplett abgeschlossen sind.