Hackdays mit Berufsorientierung: Das ist Make Your School – OST
Mit der Förderung der TÜV SÜD Stiftung starten wir einen neuen Projektbaustein: Make Your School – OST Orientieren, Selbermachen, Technik verstehen. Technikbildung, Berufsorientierung und regionale Vernetzung sollen dabei noch enger zusammengedacht werden. Im Interview spricht Karoline Morales Avilés, Geschäftsführerin der TÜV SÜD Stiftung, darüber, welche Chancen darin für Jugendliche und Unternehmen liegen, und was sie sich für die kommenden Jahre wünscht.
Karoline, du warst vor kurzem bei den Hackdays in Gersthofen zu Gast. Gab es einen Prototyp, der dich besonders begeistert hat?
Besonders beeindruckt hat mich der Boxautomat, den ein Team gebaut hatte. Die Idee dahinter war, Frust auf spielerische Weise abzubauen: Man schlägt gegen den Automaten und kann messen, wie stark der Schlag war. Und was ist passiert? Kurz vor der Präsentation ist der Automat kaputt gegangen. Der Sensor hat nicht mehr funktioniert. Das Team hat aber toll reagiert. Alle sind ruhig geblieben, haben mit dem Mentor überlegt und den Fehler behoben. Schön fand ich außerdem, dass es ein gemischtes Team war, also Mädchen und Jungen gleichermaßen beteiligt waren.
Hättest du dir als Schülerin ein Angebot wie die Hackdays gewünscht?
Auf jeden Fall. Ich finde den Ansatz super, Technik mit Alltagsproblemen zu verbinden und dass die Jugendlichen selbst gefragt werden: Was fehlt euch im Schulalltag, was stört euch, was würdet ihr gern verändern? Und dann entwickeln sie ihre eigene Lösung. Dadurch entsteht etwas, mit dem sie sich wirklich identifizieren können. Und das Gefühl von: „Als Team kann ich etwas erreichen und damit der Schulgemeinschaft was geben!“. Außerdem ist es erst einmal ein Prototyp. Er muss nicht perfekt aussehen oder sofort in Serienproduktion gehen. Er steht für sich, für Kreativität, Teamarbeit und den Spaß am Ausprobieren.
Diese Freiheit hätte ich mir in meiner eigenen Schulzeit gewünscht. Technische Themen hatten dort wenig Raum und vieles war stark mit Bewertung und Noten verbunden. Gleichzeitig ist das sehr nah an dem, was später auch im Berufsleben gefragt ist: Probleme erkennen, gemeinsam Lösungen finden und unterschiedliche Rollen im Team übernehmen.
Zitat
„Für uns als Stiftung ist es wichtig, digitale und kreative Kompetenzen gerade auch dort zu fördern, wo Zugänge und Angebote nicht selbstverständlich sind. Im besten Fall entsteht daraus nicht nur eine persönliche Perspektive für einzelne Jugendliche. Ihr Optimismus und ihre Erfahrungen können auch auf andere in ihrem Umfeld ausstrahlen.“
Du hast das Stichwort „Berufsleben“ genannt. Mit dem neuen Projekt Make Your School – OST wollen wir unsere bisherigen Hackdays stärker auf Berufsorientierung ausrichten und Unternehmen aktiv einbinden. Warum braucht es aus deiner Sicht ein Projekt wie dieses?
Viele Jugendliche fragen sich in ihrer Schulzeit irgendwann: Wozu soll ich das lernen? Was kann ich eigentlich gut und was möchte ich später einmal machen? Genau da setzt Make Your School – OST an. Die Jugendlichen können eigene Interessen und Stärken entdecken und gleichzeitig Erfahrungen sammeln, die ihnen bei der beruflichen Orientierung helfen. Besonders wertvoll finde ich, dass sie am Ende etwas Konkretes vorzeigen können: einen Prototyp, eine Lösungsidee, worüber sie berichten können.
Dazu kommt die Verbindung mit Unternehmen: Make Your School – OST möchte Schulen, Bildungsorganisationen und regionale Unternehmen langfristig miteinander vernetzen. Dadurch bekommt das Projekt einen sehr konkreten Praxis- und Berufsbezug.
Warum ist das wichtig?
Für Jugendliche kann der direkte Kontakt enorm wertvoll sein. Es ist ein großer Unterschied, ob ich ein Unternehmen nur von außen kenne oder ob ich dort bereits eine Ansprechperson habe, Einblicke bekomme und vielleicht schon weiß: Da könnte ich später einmal ein Praktikum machen oder mich bewerben. Diese Kontakte senken Hürden und helfen Jugendlichen dabei, sich berufliche Möglichkeiten überhaupt vorstellen zu können.
Gleichzeitig profitieren auch die Unternehmen. Gerade in Regionen, in denen Fachkräfte fehlen, ist es wichtig, früh auf junge Menschen zuzugehen, Einblicke zu ermöglichen und Berufe sichtbar zu machen. Und die Zusammenarbeit erhöht die Chance, dass solche Angebote langfristig bestehen bleiben. Wir als TÜV SÜD Stiftung verstehen Technikbildung und Engagement gegen den Fachkräftemangel in Deutschland als gesamtgesellschaftliche Aufgabe – und wir freuen uns über jede Organisation, die sich daran aktiv beteiligt.
Ihr fördert das Projekt gezielt in den ostdeutschen Bundesländern. Warum ist es aus Sicht der TÜV SÜD Stiftung wichtig, Jugendlichen dort berufliche Perspektiven in ihrer eigenen Region aufzuzeigen?
Viele ländliche Regionen in Ostdeutschland erleben, dass junge Menschen wegziehen, weil sie für sich vor Ort zu wenige Perspektiven sehen. Gleichzeitig gibt es dort Unternehmen und Regionen mit spannenden Entwicklungen und guten beruflichen Möglichkeiten. Diese Chancen müssen für Jugendliche sichtbar und erlebbar werden.
Wenn junge Menschen früh erfahren, welche Möglichkeiten es in ihrer Region gibt und dort positive Erfahrungen machen, kann das ihre Entscheidung beeinflussen, zu bleiben oder später zurückzukehren. Für uns als Stiftung ist es deshalb wichtig, digitale und kreative Kompetenzen gerade auch dort zu fördern, wo Zugänge und Angebote nicht selbstverständlich sind. Im besten Fall entsteht daraus nicht nur eine persönliche Perspektive für einzelne Jugendliche. Ihr Optimismus und ihre Erfahrungen können auch auf andere in ihrem Umfeld ausstrahlen.
Was wünschst du dir für die Projektlaufzeit?
Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Make Your School. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, diese Initiative auch langfristig – für drei Jahre – zu unterstützen. Das heißt, wir können einfach als Partner sehr vertrauensvoll und langfristig zusammenarbeiten. Dabei ist es mir wichtig, im Austausch zu bleiben, wie sich das Projekt entwickelt: Was funktioniert gut? Wo müssen Konzepte angepasst werden? Mit welchen Unternehmen entstehen besonders gute Kooperationen und wo gibt es noch Herausforderungen?
Besonders freuen würde ich mich über eine starke Vernetzung von Make Your School mit anderen Initiativen und darüber, wenn der Anteil an Mentorinnen steigt. Für mich wäre es ein Erfolg, wenn wir gemeinsam Strukturen schaffen, die über die Projektlaufzeit hinaustragen und sich die beteiligten Akteur*innen gegenseitig weiter stärken.