Hackdays im Jugendzentrum: Warum Makingbildung nicht nur in Schulen gehört
Sind Hackdays nur für die Schule gemacht? Wir wollten wissen, was passiert, wenn man Arduinos, LEDs und jede Menge Making-Spirit ins Jugendzentrum bringt. Unser Pilotprojekt in Berlin-Neukölln zeigt: Der Schritt aus dem Klassenzimmer lohnt sich – für die Jugendlichen und vielleicht sogar den ganzen Kiez.
Hackdays sind für uns ein erprobtes Format – allerdings fast ausschließlich im schulischen Kontext und mit dem Ziel, einen Prototyp zu bauen, der den Schulalltag verbessert. Diesen Herbst wollten wir etwas Neues wagen: Wir bringen unser Hackdays-Konzept in ein anderes Umfeld und tüfteln drei Tage in einem Jugendzentrum in Berlin!
Unsere Motivation war klar: Wir wollten Jugendliche erreichen, die im klassischen Schulsystem weniger Zugang zu Makingbildung haben und spielerisches Lernen in einem vertrauten Umfeld ermöglichen, das für die Jugendlichen mit Spaß und Freizeit verbunden ist.
Daher war bei der Wahl des Standortes entscheidend, dass die Jugendlichen den Ort nicht nur für unsere Hackdays besuchen. Es sollte ein Ort sein, der zur Lebensrealität der Jugendlichen gehört und den sie immer wieder aufsuchen. Deshalb war es uns wichtig, dass das Jugendzentrum über einen offenen Treff verfügt und die Jugendlichen die Möglichkeit haben, im gewohnten Umfeld zu arbeiten. Die Teilnehmenden hatten so außerdem die Möglichkeit, ihre Prototyen entweder selbst mit nach Hause zu nehmen oder weiterhin im Jugendzentrum zu lassen und dort weiter zu nutzen.
Für uns zeigt das, dass Makingbildung nicht an Schule oder spezielle Lernorte gebunden sind, sondern dort stattfinden können, wo Jugendliche sich regelmäßig treffen.
Die Kontaktaufnahme mit Jugendzentren stellte sich wegen ausbleibender Rückmeldungen zunächst als Herausforderung heraus. In Berlin-Neukölln fanden wir schließlich ein Jugendzentrum, dass sich nach kurzer Abstimmung mit den Jugendlichen schnell positiv bei uns zurückmeldete. Damit stand fest: Der Pilot kann starten.
Hack Your Kiez – Ideen, die die Nachbarschaft besser machen
Der Pilot fand bewusst in den Herbstferien statt. Wenn schon außerschulisch, dann richtig: kein Klassenzimmergefühl, kein Schulstress und auch kein Schulthema. Stattdessen stellten wir die Frage: „Hack Your Kiez – Wie könnt ihr eure Nachbarschaft verbessern?“. 16 Jugendliche entwickelten in kürzester Zeit Ideen, die sie mit echten Orten, Bedürfnissen und Problemen ihrer direkten Umgebung verbanden. Außerdem waren zwei Sozialarbeiter*innen vor Ort, um die Jugendlichen und uns zu unterstützen.
Der Ablauf orientierte sich an unserer bewährten Struktur aus Auftaktpräsentation, Ideenfindung, Hacking und einer Abschlusspräsentation – allerdings etwas flexibler als im Schulkontext, um auf die Bedürfnisse der Jugendlichen stärker einzugehen, was aufgrund der kleinen Gruppengröße möglich war.
Schon während der Auftaktpräsentation zeigte sich die Neugier der Teilnehmenden: kritische Rückfragen und reflektierte Gedanken waren für uns ein Zeichen, dass das Thema die Jugendlichen interessierte.
Da wir im Vorfeld nicht genau wussten, wie viel Making-Erfahrung die Jugendlichen mitbringen, waren vier Mentor*innen vor Ort, wie auch bei unseren schulischen Hackdays. Das war ein großer Vorteil, denn so konnten die Mentor*innen die Jugendlichen individuell begleiten und spontane Rückfragen oder Herausforderungen direkt auffangen.
Zwischen Pausen und Prototypen
Wir haben schnell gelernt: Im außerschulischen Kontext, dazu während der Herbstferien, braucht es flexiblere Zeitpläne. Die Jugendlichen waren schließlich in ihrer Freizeit da, und der klare, durchgetaktete Ablauf, den wir sonst von Schulen kennen, musste hier angepasst werden.
Deshalb haben wir bereits am ersten Tag die geplante Tageslänge verkürzt. Wir merkten schnell, dass sechs Stunden (inklusive einstündiger Mittagspause) zu lang sind, um konzentriert und motiviert in die für viele neue Arbeitsweise des Makings hineinzufinden. So wurden aus sechs Stunden fünf – eine Entscheidung, die sich absolut richtig angefühlt hat.
Ein besonderes Highlight war unser Kiez-Spaziergang. Die Jugendlichen führten uns zu ihren Lieblingsorten im Viertel, wie zum Beispiel ihrem Bäcker oder Fußballplatz, an dem sie viel Zeit verbringen. Diese aktive Pause brachte frischen Wind, stärkte die Verbindung zwischen ihnen und uns „externen“ Erwachsenen und passte zudem perfekt zu unserem Thema Kiez bzw. Nachbarschaft.
Vom ersten LED-Leuchten zu fertigen Prototypen
Nachdem wir am ersten Tag spontan verkürzt haben, mussten wir etwas improvisieren. Um den Jugendlichen nach dem Input ein kleines Erfolgserlebnis zu verschaffen, haben wir den Tag mit einem „Mini-Hack“ beendet und eine LED zum Leuchten gebracht. Ein kleiner Erfolg und eine Portion Selbstvertrauen für alle. Am zweiten Tag ging es dann richtig los: eigene Ideen, eigene Umsetzung, eigenes Tempo.
Wir als Organisationsteam ließen den vorher festgelegten Zeitplan los und gingen stärker auf die Bedürfnisse der Jugendlichen ein – egal ob längere Mittagspause oder mal kurz die Musik im Nebenzimmer aufdrehen. Das alles war in diesem Setting in Ordnung. Making lebt nun mal von intrinsischer Motivation und die war spätestens am dritten Tag klar zu spüren. Die Jugendlichen kamen morgens am Jugendzentrum an, legten die Jacken ab und holten sich ohne Umwege ihre Laptops, Werkzeuge und Pappe.
Trotz weniger Struktur und mehr Bedürfnisorientierung hatten wir das große Ganze noch im Blick: funktionierende Prototypen am Ende der drei Tage. Und das haben die Jugendlichen geschafft! Es sind fünf Prototypen entstanden, die der Nachbarschaft oder dem Jugendzentrum zugutekommen können: ein LED-Schild für den Mädchenraum am Jugendzentrum, eine Lichtanlage mit drei steuerbaren Farbmodi, ein Unfallwarnsystem für mehr Sicherheit auf den Straßen, ein Roboter zur Messung von Temperatur und Luftqualität und ein mobiler Luftreiniger gegen Zigarettenrauch oder schlechte Gerüche.
Bei der Präsentation stellten die Jugendlichen selbstbewusst und fokussiert ihren Hack vor, und die Sozialarbeiter*innen strahlten. Und genau dieses Gefühl, etwas Eigenes geschafft zu haben, ist letztlich das Herzstück unserer Hackdays.
Ausblick: Mehr Hackdays abseits des Klassenzimmers
Unser Fazit nach drei Tagen außerschulischen Hackdays: Es lohnt sich, Räume außerhalb der eigenen Bubble für Makingbildung zu öffnen. Damit erreichen wir Jugendliche, die im schulischen Kontext vielleicht weniger mit Hacking und Making in Berührung kommen.
Wir haben viel gelernt, viel ausprobiert und noch mehr mitgenommen. 2026 wollen wir erneut ein Jugendzentrum in Berlin besuchen – mit frischen Learnings im Gepäck und viel Lust auf weitere Prototypen, die kleine und große Veränderungen für den Kiez bringen.